Begleitung wohnungsloser Menschen

Hospiz- und Palliativversorgung für akut wohnungslose Menschen

Menschen am sogenannten Rand unserer Gesellschaft, die in Armut, Wohnungs- oder Obdachlosigkeit leben, haben dieselben Bedürfnisse und Ängste am Lebensende, wie alle Menschen. Sie haben ebenso das Recht auf den Schutz ihrer Würde und auf respektvollen Umgang durch die Gesellschaft, unter Berücksichtigung ihrer Autonomie und individueller Wünsche sowie auf den Zugang zu Hilfeangeboten, in einer die Existenz bedrohenden Krankheitssituation.

Nicht wenige Bürgerinnen und Bürger Münchens sind vom Verlust ihrer Wohnung bedroht oder finden nach einem Verlust keinen neuen passenden bzw. bezahlbaren Wohnraum. In akuten Wohnungsnotfällen sind Betroffene vielfach auf öffentliche Hilfe angewiesen und finden in München hierzu auch die nötige Unterstützung. Diese zeigt sich in vorbeugenden Maßnahmen, um Wohnungsverluste zu vermeiden und in Form übergangsweiser Unterbringung im Rahmen der Münchner Wohnungsnotfallhilfe sowie in der Hilfe bei der bekanntlich schwierigen Suche nach einer dauerhaften Bleibe. Die meisten akut wohnungslosen Menschen – Männer, Frauen und Kinder – leben zugleich abseits der Wahrnehmung durch die Mehrheitsgesellschaft, untergebracht in Notunterkünften und anderen Einrichtungen des öffentlichen Hilfesystems. Die sichtbar obdachlos auf der Straße lebenden Menschen, lassen dabei einen ungeschönten Ausblick auf diese gesellschaftliche Wirklichkeit, die von Not, Armut und Schutzlosigkeit geprägt ist, zu.

Schwerstkranke und sterbende Menschen benötigen ein breites und regional gut vernetztes Spektrum der Palliativversorgung, dass an ihre Bedürfnisse und Wünsche angepasst ist."

Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Hospiz- und Palliativgesetz. Berlin : s.n., 2015. Bundesgesetzblatt Jahrgang 2015 Teil I Nr. 48, ausgegeben zu Bonn am 7. Dezember 2015

Wohnungs- und insbesondere obdachlose Menschen tragen ein deutlich erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens schwerwiegend chronisch zu erkranken. Betroffene sterben vielfach, ohne Begleitung, Fürsorge und eine symptomlindernde  Versorgung erhalten zu haben. Da sie ihr selbstverständliches Recht auf Unterstützung am Lebensende oftmals nicht in Anspruch nehmen, haben wir vor zwei Jahren begonnen, sehr gezielt über unser Versorgungsangebot zu informieren. Wir haben die unterbringenden Träger und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe sowie die Stadt München nach ihrer Bedarfseinschätzung hinsichtlich hospizlicher Begleitung und palliativer Unterstützung befragt und sind auf offene Türen und viel Interesse an unserer Arbeit gestoßen. Gleichzeitig haben wir sehr viel über die wichtigen Aufgaben der Münchner Wohnungsnotfallhilfe erfahren und Schnittstellen sowie Herangehensweisen an die Themen Tod, Sterben, Abschied und Verlust herausgearbeitet. 

Der Wunsch, die drängenden Versorgungsthemen schwerstkranker Menschen anzugehen, war groß auf Seiten der Münchner Wohnungslosenhilfe. Der wachsende Austausch und die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen und uns lassen bereits gemeinsame Versorgungslösungen entstehen, um die am Lebensende bestehende Ausprägung sozialer Randständigkeit zu mildern.