Hospiz- und Palliativversorgung für wohnungslose Menschen

Menschen am sogenannten Rand unserer Gesellschaft, die in Armut, Wohnungs- oder Obdachlosigkeit leben, haben dieselben Bedürfnisse und Ängste am Lebensende, wie alle Menschen. Sie haben ebenso das Recht auf den Schutz ihrer Würde und auf respektvollen Umgang durch die Gesellschaft, unter Berücksichtigung ihrer Autonomie und individueller Wünsche sowie auf den Zugang zu Hilfeangeboten, in einer die Existenz bedrohenden Krankheitssituation.

Menschen abseits der öffentlichen Wahrnehmung

Immer mehr Bürgerinnen und Bürger Münchens sind vom Verlust ihrer Wohnung bedroht oder finden nach einem Verlust keinen neuen passenden bzw. bezahlbaren Wohnraum. Durch die aktuelle Corana-Krise erwartet München einen deutlichen und raschen Anstieg an Wohnungsverlusten in den kommenden Monaten. In den meisten akuten Wohnungsnotfällen sind Betroffene auf öffentliche Hilfe angewiesen und finden in München hierzu auch die nötige Unterstützung. Diese zeigt sich in vorbeugenden Maßnahmen, um Wohnungsverluste zu vermeiden und in Form übergangsweiser Unterbringung im Rahmen der Münchner Wohnungsnotfallhilfe sowie in der Hilfe bei der bekanntlich schwierigen Suche nach einer dauerhaften Bleibe. Die meisten akut wohnungslosen Menschen – Männer, Frauen und Kinder – leben abseits der Wahrnehmung durch die Mehrheitsgesellschaft, untergebracht in Notunterkünften und anderen Einrichtungen des öffentlichen Hilfesystems. Obdachlos auf der Straße lebende Menschen, demonstrieren uns dagegen eine traurige gesellschaftliche Wirklichkeit, die von Not, Armut und Schutzlosigkeit geprägt ist.

Schwerstkranke und sterbende Menschen benötigen ein breites und regional gut vernetztes Spektrum der Palliativversorgung, dass an ihre Bedürfnisse und Wünsche angepasst ist."

Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Hospiz- und Palliativgesetz. Berlin : s.n., 2015. Bundesgesetzblatt Jahrgang 2015 Teil I Nr. 48, ausgegeben zu Bonn am 7. Dezember 2015

Palliative Begleitung wohnungs- und obdachloser Menschen

Wohnungs- und insbesondere obdachlose Menschen tragen ein deutlich erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens schwerwiegend chronisch zu erkranken. Betroffene sterben vielfach ohne Begleitung, Fürsorge oder eine symptomlindernde  Versorgung erhalten zu haben. Da sie ihr selbstverständliches Recht auf Unterstützung am Lebensende oftmals nicht in Anspruch nehmen, haben wir vor drei Jahren begonnen, gezielt über unser Versorgungsangebot zu informieren. Wir haben die unterbringenden Träger und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe sowie die Stadt München nach ihrer Bedarfseinschätzung hinsichtlich hospizlicher Begleitung und palliativer Unterstützung befragt und sind auf offene Türen und großes Interesse an unserer Arbeit gestoßen. Gleichzeitig haben wir viel über die wichtigen Aufgaben der Münchner Wohnungsnotfallhilfe erfahren und gemeinsame Schnittstellen sowie Herangehensweisen an die Themen Tod, Sterben, Abschied und Verlust herausgearbeitet. 

Der Wunsch, die drängenden Versorgungsthemen schwerstkranker Menschen ohne eigenen Wohnraum anzugehen, war groß auf Seiten der Münchner Wohnungslosenhilfe. Der Austausch und die Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen lassen somit Ideen und gemeinsame Versorgungslösungen entstehen, um die am Lebensende bestehende Ausprägung sozialer Randständigkeit zu mildern.